Gert-Uwe Geerdts: Ein „Zwischenruf“ für den Strukturwandel

Es ist zugegebenermaßen eine wichtige Entscheidung, die der Rheinbacher Stadtrat bald für die Ansieldung eines Logistik-Unternehmens im Rheinbacher Norden zu treffen hat. Über 400 Arbeitsstädte sollen geschaffen werden und der Strukturwandel Rheinbachs weg von der reinen Wohn- und Schlafstadt mit vielen Auspendlern einen großen Schritt weiter gebracht werden. Und schon regen sich die Oberbedenkenträger, die am liebsten Rheinbach so lassen würden wie es ist bzw. immer noch den Luftkurortträumen früherer Jahre nachhängen. Von einer „Jahrhundertentscheidung“ wird gesprochen und Probleme herbeigeredet, wo keine sind. Zu nennen ist z.B. das „Verkehrsproblem“. Da wurde bisher immer für den Gewerbestandort Rheinbachs mit seiner günstigen Verkehrsanbindung geworben und schon wird ein Problem gesehen, wenn etwa zehn Lkws pro Stunde zusätzlich auf die stadtferne Nordumgehung direkt zum günstig gelegenen Autobahnanschluss fahren werden. Wo ist da das neue Problem? Gewerbegebiete haben nun mal mehr Lkw-Verkehr zur Folge. Das wusste der Stadtrat aber bereits, als er die 150 Hektar Gewerbeflächen auswies. Also nicht Neues!

Dass die Malteser Probleme mit diesem zusätzlichen Lkw-Verkehr bekommen können, gehört auch zu den an den Haaren herbei gezogenen emotionalen Argumenten. Mit Hilfe des Martinhorns haben sie sich bisher immer die notwendige Vorfahrt geschaffen, selbst wenn die Ampel an der Kreuzung auf Rot stand. A pro pos Emotionen: In Rheinbach wird seit vielen Monaten auf die Entscheidung von HARIBO gehofft, dass die notwendige Auslagerung vom jetzigen zu klein gewordenen Bonner Standort für unsere Voreifelstadt gefällt wird. Ich habe bisher bei keiner der im Rat vertretenen Fraktionen eine Stimme gehört, auch nicht vom CDU-Fraktionsvorsitzenden, die sich gegen HARIBO ausgesprochen hat, falls diese Firma nach Rheinbach will. Sogar eine Fläche wird hierfür bereits vorgehalten. Und auch für dieses Gelände waren bisher Hochlager vorgesehen, wie sie jetzt eingebettet zwischen dem Bahn- und Autobahndamm vorgesehen sind – dann aber in freier Landschaft. Keiner sah hier bisher eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Hier wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Arbeitsplätze und die schnelle Entschuldung der zurzeit nur mit Bürgschaften der Stadt Rheinbach am Leben gehaltenen Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft zählen offensichtlich nicht. Genauso wenig zählt, dass man sich als Ratsherr im Rat verpflichtet hat, sich zum Wohl der Stadt Rheinbach einzusetzen. Statt wird unverhohlen vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Beißel seine Abneigung gegen dieses Projekt im Rat dokumentiert, in dem dieser absprachewidrig den Namen der ansiedlungswilligen Firma in öffentlicher Sitzung hinausposaunte. Ein größeres Torpedo hätte er in dieser sensiblen Entscheidungsphase nicht gegen dieses Ansiedlungsprojekt abschießen können. Da hilft aus nicht – bisher einmalig in Rheinbach -, dass sich die CDU-Fraktion in der Tagespresse vor ihn stellen und bekunden muss, er sei gar nicht gegen dieses Vorhaben. An seinem Abstimmungsverhalten wird er sich messen lassen müssen. Ich hoffe jedoch auf die besonnenen zukunftsorientierten Kräfte im Stadtrat.