Mit den Augen der Opposition

Gert-Uwe Geerdts, Stadtarchivar Dietmar Pertz, Walter Langer
v.l.n.r. Gert-Uwe Geerdts, Stadtarchivar Dietmar Pertz, Walter Langer

Im Dezember 1975 erschien die erste Ausgabe des in unregelmäßiger Folge erschienen Informationsblattes. „Wir hatten mit diesem Medium die Möglichkeit, ungeschminkt die Rheinbacher Bürger über unsere Sicht der Dinge zu informieren, ohne wie sonst mit der „Schere im Kopf“ zu schreiben“, so seine Bewertung.
Verkehr und noch mal Verkehr
Wie rote Fäden ziehen sich über die Jahrzehnte immer die gleichen Themenstränge durch die Ausgabe des „Rheinbach Magazin“. Die unzureichende Haushaltskonsolidierung war bereits 1975 in der ersten Ausgabe ein Thema als „nur“ 1.011.200,00 DM im Haushaltsentwurf fehlten. Inzwischen ist die Stadt Rheinbach pleite und die CDU findet das gar nicht schlimm. Den Finger in die Wunde zu legen ist eine Aufgabe der Opposition und das tat sie z.B. in der Bildungspolitik, als sie den Zick-Zack-Kurs der CDU in ihrer Haltung zur kooperativen Schule und zur Orientierungsstufe offen legte. Keinen Maulkorb gab es für die eige-nen Mitglieder. So meldete 1977 der damalige Juso-Vorsitzende Gert-Uwe Geerdts in ei-nem Interview Bedenken an, ob der von der SPD-Schiedskommission getroffene Beschluss, Uwe Benneter aus der Partei auszuschließen, der richtige war. Dass die Rheinbacher Sozial-demokraten mit ihrer Politik durchaus Erfolge verzeichnen konnten, lässt sich z.B. an ihrem Vorstoß deutlich machen, den Hof Scheben in der Polligsstraße in ein Bürgerzentrum als Begegnungsstätte für Jung uns Alt umzubauen. „Geht Rheinbach baden?“ fragte man sich 1981, als das kalte und ungemütliche Hallenbad zum Wellenbad umgebaut wurde. Das damals von der SPD prognostizierte Defizit von 1,5 Mio. Mark war, wie sich später herausstellt noch untertrieben. War die zunehmende Verschuldung der Voreifelstadt ein ständiges Thema, so nahm auch die Berichterstattung über die Verkehrsmisere breiten Raum über die Jahre im „Rheinbach Magazin“ ein. Die schon 1979 von der CDU propagierte sog. Kernstadttangente“ gehört ebenso dazu, wie die 1982 gestoppten, inzwischen aber wiederbelebten CDU-Pläne einer Schneise vom Autobahnzubringer mitten durch den Rheinbacher Er-holungswald zum Waldkapellchen. Einen Vergleich mit der Echternacher Springprozession musste sich die CDU 1983 mit ihrer Haltung zu den SPD-Anträgen gefallen lassen, eine Einbahnregelung in der Kernstadt einzuführen, die sie zuerst ablehnte, dann wenig später selbst beantragte. Dass die hiesige CDU 1974 für fünf Jahre lang vom Rheinbacher Bürger in die Opposition geschickt wurde, hat sie bis heute verdrängt. Im Rheinbach Magazin sind die Sitzverhältnisse nachzulesen. Dass sich Rheinbachs SPD für eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt stark machen, war Anfang der 90er Jahre schon nachzulesen, ebenso wie der Einsatz für eine verkehrsberuhigte Hauptstraße.
SPD gestaltet Stadtentwicklung
„Mehr Wohnungen für ältere Mitbürger“ forderten die Sozialdemokraten bereits Mitte der achtziger Jahre, als sich die Überalterung der Stadt abzeichnete. ebenso, wie einen städtischen Ganztagskindergarten, der berufstätigen Müttern entlasten sollte. Die Forderung nach einer Gleichstellungsbeauftragten wurde genauso thematisiert wie die Forderung nach mehr Kindergartenplätzen in den Höhenorten. Die Frage, wie es nach der Hauptstadtentscheidung mit Rheinbach weitergeht, wurde erörtert und das Engagement der SPD für eine Fachhochschule und die Wirtschaftsentwicklung in Rheinbach hervorgehoben.
Dass die Vereinsungebundene Jugend hier keine Lobby hat, konnte am Beispiel der Jugend- und KulturZentrumsInitaitive aufgezeigt werden. Immerhin wurde 2001 ein Stadtjugendparlament auf SPD-Initiative hin gebildet. Ebenso war der SPD-Vorstoß für das Stadtmarketing als neue Form der Bürgerbeteiligung von Erfolg gekrönt.
Nicht nur ernste Töne klangen aus dem Rheinbach Magazin. Rolf Schormann, langjähriger Autor erzählte ein „Wintermärchen aus Rheinbach“, in dem er den Streit zwischen Stadtdirektor Kalenberg und Rechtsanwalt Dr. Schellenberger, zugleich Rheinbachs Bürgermeister, über eine ungenehmigte Fassadengestaltung des Schuhgeschäftes Nussbaum glossierte.
„In diesen Ausgaben des Rheinbach Magazins, die ich jetzt dem Stadtachivar Herrn Pertz übergeben kann, die von vielen SPD-Mitgliedern mit Inhalt gefüllt und gestaltet wurden, steckt nicht nur ein großes Engagement, die sozialdemokratische Politik deutlich werden zu lassen, sondern auch ein Stück lebendige Kommunalgeschichte“, so SPD-Ortsvereinsvorsitzender Gert-Uwe Geerdts in seiner abschließenden Würdigung.