Raetz und die kognitive Dissonanz

Gert-Uwe Geerdts

Im Bericht über die Nominierung von Herrn Raetz als CDU-Bürgermeisterkandidat heißt es: „Der SPD hingegen attestierte er eine «kognitive Dissonanz». Die wollen alles, täten aber nichts.“ Der geneigte Leser fragt sich spontan, ob Herr Raetz wohl den Begriffsinhalt dieses aus der Sozialpsychologie von Leon Festinger beschriebenen Phänomens der "Kognitiven Dissonanz" kennt?
Hierunter versteht man nämlich einen als negativ empfundenen Gefühlszustand, der durch nicht miteinander vereinbare Kognitionen, also Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten, entsteht, und der mittels neuer Argumente in einen harmonischen Zustand gebracht werden soll. So z.B., wenn Raucher um die Schädlichkeit ihrer Sucht wissen, diesem negativen Gefühl aber mit der Einschätzung begegnen, „Et hätt noch immer jut jejange“. Die Bewertung der SPD-Aktivitäten durch Herrn Raetz passt unter dieses Phänomen also hinten und vorne nicht!

Überflüssiger Straßenausbau
Besteht aber nicht tatsächlich eine kognitive Dissonanz, wenn von ihm und der CDU, trotz des Wissens um die leere Haushaltskasse der Stadt Rheinbach eine intakte Straße, wie die „Vor dem Dreeser Tor“ erneuert wird, um nachher zusagen, "Aber sie sieht jetzt viel schöner aus und bringt mehr Umsatz"?. Gleiches soll mit der Straße „Vor dem Voigtstor“ geschehen. Dass dies mit dem Umsatz nicht stimmt, sieht jeder an der nicht mehr bestehenden Bäckerei Becker.
Trifft dieses Phänomen aber nicht auch auf den CDU-Schwenk zu, die von der Mehrzahl der Rheinbacher Bürger gewünschte und jahrelang von der SPD propagierte Verkehrsberuhigung der Hauptstraße endlich anzugehen, aber laut Presse dort nur mit einer Reduzierung des Verkehrs um 50 Prozent?

Straße durch den Wald geplant
Wie verhält es sich bei dem von CDU und FDP getroffenen Beschluss, von der Rheinbacher Autobahnabfahrt eine Straße direkt und mitten durch den Rheinbacher Wald zum Waldkapellchen bauen zu wollen, obwohl man um die Naturzerstörung weiß?
Und wie ist die Aussage von Herrn Raetz zu bewerten, „Bei uns wird mit Köpfchen gearbeitet nicht mit der Spendierhose.“? In meinen Augen ein klassischer Fall von kognitiver Dissonanz angesichts der leeren Stadtkasse und dem Bemühen dies schön zureden. So kann ich ja nachvollziehen, dass Herr Raetz und seine Partei diese Dissonanz der von ihr erzeugten leeren Kassen gefühlsmäßig als negativ empfindet und sie versuchen, mit Polemik ihre Gedanken in Einklang, d.h. sie in eine konsonante Beziehung zu bringen, um den negativen Gefühlszustand zu beenden, indem sie auf den politischen Gegner eindreschen. Die Beispiele ließen sich fortsetzen.
Der Bürger kann sich hingegen, dem Internet sei Dank, ein eigenes Bild verschaffen und sich ein eigenes Urteil bilden, wenn er sich auf der SPD-Homepage www.spd-rheinbach.de all die dort aufgeführten SPD-Anträge ansieht. Dann entlarvt sich die Aussage „Die wollen alles, tun aber nichts“ von selbst als hohles Wahlkampfgetöse. Hat Herr Raetz das nötig?

Gert-Uwe Geerdts M.A.