Verlegung von Stolpersteinen

SPD-Ratsfrau Birgit Formanski
SPD-Ratsfrau Birgit Formanski

Ratsfrau Birgit Formanski ist der Ansicht, dass es durchaus legitim ist, in dieser Frage unterschiedliche Meinungen zu vertreten. „Ich persönlich fühle mich jedoch an das Veto jüdischer Hinterbliebener gebunden, die diese Form der Erinnerung strikt abgelehnt haben.“
Dazu führt Birgit Formanski weiter aus:
„Als Historikerin habe ich vor einiger Zeit bei einem Projekt mitgearbeitet, in dem die Lebenswege vor allem ehemaliger jüdischer Studentinnen der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn nachgezeichnet wurden, um deren Biographien vor dem Vergessen zu bewahren. Durch umfangreiche Recherchen war es dabei auch zu Kontakten zu Verwandten dieser Frauen gekommen, die anlässlich der alljährlich stattfindenden „Woche der Brüderlichkeit“ nach Bonn eingeladen worden waren. Im Rahmen dieser Treffen wurde in meinem Beisein auch über die Frage diskutiert, ob Stolpersteine verlegt werden sollen. Über die deutliche Ablehnung dieses Projektes, die in einer Vielzahl von Gründen belegt worden war, zum Beispiel die schutzlose Preisgabe von Namen der Ermordeten in der Öffentlichkeit, um nur ein Argument zu nennen, kann und darf ich mich nicht hinwegsetzen. Die Kinder und Enkel der Opfer haben ein Anrecht darauf, dass die Opfer und die Nachgeborenen nicht zu reinen Objekten der bundesdeutschen Erinnerungskultur werden. Sie haben vielmehr einen Anspruch, dass ihre Meinung zählt, wenn entschieden wird, was mit den Namen ihrer Eltern und Großeltern geschieht.
Dabei soll nicht unterschlagen werden, dass andere Überlebende und deren Nachkommen gerade diese Art der Erinnerungskultur für richtig halten. Die große Zahl derer, die das Projekt – wie Charlotte Knobloch – sehr kritisch sehen, darf aber nicht zur vernachlässigbaren Größe herabgestuft werden.“

Der Rheinbacher SPD-Vorsitzende Folke große Deters ergänzt. „Ich denke, dass in Rheinbach große Einigkeit besteht, dass wir die Erinnerung an die Verbrechen während der Nazi-Vergangenheit wach halten müssen. Der Respekt vor den Opfern gebietet, dass die Debatte über die Art und Weise des Gedenkens in würdiger Form geführt wird. Es freut mich daher außerordentlich, dass die Diskussion im Ausschuss seitens aller dort vertretenen Parteien von großer Sachlichkeit getragen war. Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, an das verübte Unrecht zu erinnern. Daher haben wir großen Respekt davor, dass es Menschen innerhalb und außerhalb unserer Partei gibt, die andere Formen des Gedenkens befürworten.